Aquarien ohne Technik

Die Idee

Bisher war ich immer der Meinung, daß in ein Aquarium ein Heizer und ein Filter gehört. Ich hatte jedoch seit einiger Zeit ein kleines Aquarium in der Küche auf dem Fensterbrett. Dieses Aq ist bestückt mit Sandboden, einem Zyperngrasableger :-), und jede Menge Wasserflöhe. Anfangs hatte die Wasseroberfläche eine sogenannte Kahmhaut, also eine Bakterienschicht, die durch "rühren" immer wieder zerstört wurde. Die Kahmhaut war irgendwann verschwunden, den Wasserflöhen ging es gut. Das Wasser roch frisch und bei direktem Sonnenlicht blupperte der Sauerstoff hoch.

Zu den Wasserflöhen gab ich manchmal Guppyjunge dazu, die sich dort hemmungslos vollfressen konnten. Aber ich war vorsichtig, und hing dann immer einen Heizer ein. Dann hatte ich im Zierfischforum einen interessanten Artikel über die Umstellung auf ein filterloses Aquarium gelesen. Da ich hinreichend experimentierfreudig bin, und das kleine AQ hier ja bereits stabil lief, dachte ich es probieren zu können.

Die Vorbereitungen

Problem: Um eine optimale Versorgung mit Sauerstoff zu gewährleisten, muß ein Aquarium genug Pflanzen und genug Licht haben. Da ich vor hatte ein Aquarium ohne Filter und auch ohne Pumpe zu betreiben ist der Sauerstoffaustausch über die Oberflache geringer, als bei einer -durch Pumpe- bewegten Wasseroberfläche. Dazu kommt noch, das Kohlendioxid nicht so stark ausgetrieben wird.

Aktion: Es begann mit dem Aufstocken des Pflanzenbestandes in meinen laufenden Aquarien. Meine Aquarien liefen alle seit Jahren stabil, bekamen nun noch mehr schnellwachsene Pflanzen.

Problem: Ich hatte Kiesboden in allen meinem Aquarien, das kleine Fensterbrett-AQ war jedoch mit Sand ausgestattet. Ich hatte keine Lust den ganzen Aquarienboden auszutauschen und ich wollte, daß die bisher angesammelte Mulm-/Bakterienschicht weiterhin funktionsfähig bleibt.

Aktion: Ich habe den Kies in den Aquarien also nur mit Sand aufgeschüttet.

Die "Abschaltung

Ich hatte mich dafür entschieden, eine langsame "Abschaltung" der Technik vorzunehmen. Ich ließ die Pumpen laufen, ohne sie zu reinigen, bis sie sich in zwei Aquarien derart mit Mulm zusetzten, bis fast kein Durchfluß von Wasser mehr zu beobachten war. Dann habe ich die Pumpen in diesen Becken einfach entfernt. Nun hieß es, das Verhalten der Fische zu beobachten, um Veränderungen an der Wasserqualität zu bemerken. (Wer unsicher ist, sollte hier die Wasserwerte regelmäßig d.h. täglich überprüfen)

Eine erhöhte Atembewegung der Fische habe ich jeweils mit einem oder mehrere Wasserwechsel "außer der Reihe" beantwortet. In einem der Aquarien bildete sich wieder eine Kahmhaut auf der Wasseroberfläche, die ich regelmäßig abschöpfte. In dem zweiten "abgeschalteten" Aquarium gibt es viele Guppys und Platys, die viel an der Oberfläche sind. Hier bildete sich keine Kahmhaut. Zwischenzeitlich habe ich aus allen Aquarien die Heizer entfernt, was zu dieser Zeit (Hochsommer) zunächst unkritisch war.
Ad hoc habe ich für das Kinderzimmer auch ein kleine Aquarium eingerichtet, daß völlig techniklos mit Sandboden läuft. Es steht auf
einem schlecht wärmeisoliertem Fensterbrett. Dies ist quasi das
"Temperatur-Extrem-Test-Aquarium".

Es läuft und läuft!

Die zwei Aquarien, die ich vor ca 4 Monaten umgestellt habe, laufen stabil. Was ganz entscheidend auffällt ist das stark verbesserte Pflanzenwachstum. Alle bisher eh schon schnellwachsenden Pflanzen sind kaum noch zu bändigen. Ich führe das auf eine erhöhte CO² Sättigung zurück.

Eines der Aquarien hat eine sehr starke Besatzdichte. Ich habe seit ca 2
Monaten keine Verhaltensauffälligkeiten mehr bei den Fischen bemerkt, und mußte keinen außerplanmäßigen Wasserwechsel vornehmen. Allerdings habe ich auch mein "Fütterverhalten" konsequent kontrolliert, damit das Wasser nicht unnötig mit Futterresten belastet wird.

Die ständig aber beständig sinkenden Temperaturen zum Winter waren weniger problematisch, als ich befürchtet habe. Die einziger Technik, die
jetzt in einem Teil der Aquarien läuft ist die Beleuchtung. Diese
Aquarien haben eine durchschnittlichen Tagestemperatur von 23°C.

Das "Temperatur-Extrem-Test-Aquarium" hatte ich mit Platys ausgestattet. Durch den Stand am Fenster war dieses AQ immer sehr starken Temperaturschwankungen ausgesetzt. Jetzt im Januar hatte ich als niedrigste Temperatur 15 °C gemessen. Die 4 Platys und deren Nachkommen, die sich scheinbar an die niedrigen Temperaturen gewöhnt haben zeigen normales Verhalten. Keinerlei Flossenklemmen. Keinerlei Krankheitssymptome. Nur hat die Vermehrung völlig ausgesetzt.

Mittlerweile ist nur noch eine Pumpe in einem Aquarium in Betrieb, deren
Filterpatrone noch immer nicht vollständig zugesetzt ist. Sechs Aquarien laufen stabil, ohne Heizung und ohne Filter. Drei Aquarien sind zusätzlich ohne künstliche Beleuchtung, d.h. vollstandig ohne Technik. Mittlerweile habe ich die Hoffnung, von meinem Stromlieferant etwas zurückzubekommen :-) (Bitte nicht mißverstehen, dies war NICHT Beweggrund der Umstellung)

Mist, das wars....

Wie im News-Blog schon berichtet: mein
Experiment "Techniklos" ist kläglich in die Hose gegangen. Leider hat
sich nach einem ganz normalen Wasserwechsel das Wasser in allen AQs getrübt. Warum und wieso ist nicht nachvollziehbar. Im Verdacht habe ich eine alte Gießkanne mit eventuellen Dünger-Resten. Diese Kanne habe ich beim Wasserauffüllen zur Hilfe genommen. Nun habe ich die Pumpen wieder eingesetzt und das Wasser hat sich nach ca 5 Tagen auch wieder geklärt.

Eine Lehre läßt sich daraus ziehen: Kein Normalen Blumendünger in das Wasser kommen lassen. Ein technikloses Quasi-Gleichgewicht ist um ein vielfaches empfindlicher als mit laufendem Filter.Das Einzige was ich definitiv beibehalten werde ist das "Nicht-Heizen".
Witzigerweise, läuft das kleine AQ am Küchenfenster immernoch ganz gemütlich und stabil vor sich hin ohne die geringsten Probleme. Ein erneutes "Techniklos-Experiment" würde ich ausschließlich mit Sandboden wagen.